Stuttgarter Zeitung

Lieber ein gutes Buch

Severin Theinert singt nicht oft aber heute Abend im Lab

von Michael Werner / Stuttgarter Zeitung, 23. April 2004

"The other Side of Sleep" ist ein schönes, tiefgründiges Album geworden, auf dem sich filigraner Folkrock mit der Lust am Geschichtenerzählen mischt und mit der Melancholie des Mannes, der alle Lieder von Coffee in Duluth schreibt. [...]
Theinert schreibt Lieder, die sanft sind und schonungslos zugleich: "Es ist nichts besonderes dabei, dass zwei Menschen zusammensitzen, außer der Illusion, nicht alleine zu sein", heißt es in einem Lied von ihm, dass "The Mortar" heißt. [...]
Chris Cacavas hat "The other Side of Sleep" produziert, das Album, das sich so sprachgewaltig aus einem erdachten Überallamerika heraussehnt, als habe Theinert schon immer dort gelebt. [...]
Theinert ist kein Star geworden aber ein Mensch, der mit einer selten gewordenen Ernsthaftigkeit daran arbeitet, seine Einfälle in die bemerkenswert liebevoll gesponnenen Stoffe zu kleiden, die sie seiner Ansicht nach verdienen. [...]
 [...] "und mittlerweile ist mir diese Musik zu viel wert, als dass ich sie des Erfolges wegen ändern würde." Theinerts Musik, und dass es sie gibt, ist ein Erfolg für sich.
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Ludwigsburger Kreiszeitung
"Coffee In Duluth" sind mit neuer CD auf dem Markt

Musik, die an den letzten USA-Urlaub erinnert

von Christian Kempf / LKZ, 17. Juni 2003

Die Ludwigsburger Folkrocker "Coffee In Duluth" legen mit "The Other Side Of Sleep" ihre zweite CD vor. Das Quintett um Sänger Severin Theinert spricht eine Fangemeinde an, die sich für handgemachten, ausgefallenen Neo-Country erwärmen kann.

"Coffee In Duluth" signalisieren bereits mit ihrem Namen, wohin die musikalische Reise führen wird. Die Band genießt ihren Kaffee am liebsten in der Geburtsstadt Bob Dylans: Duluth, Minnesota. Entsprechend folkig geht es auf "The Other Side Of Sleep" zu.
Freilich produzieren "Coffee In Duluth" keine Protestsongs im Stile Dylans. Sie spielen Country im allermodernsten Sinn. Bands wie "Friends Of Dean Martinez" oder "OP8" errangen mit ähnlicher Musik in den späten 90ern Achtungserfolge. Und: "The Other Side Of Sleep" muss sich hinter den Alben dieser Gruppen keineswegs verstecken.
Die ersten Töne des Openers "The Mortar" wecken Gedanken an eine Fahrt durch die endlosen Weiten der Wüste Arizonas. Als weitere Anspieltipps können das eingängige "Shiny River" und das mit atemberaubenden Harmonien glänzende "Twisted Winds" empfohlen werden. Die restlichen Songs sind indes schwerer zugänglich. Eine düstere Grundstimmung lastet insbesondere auf "Jane Is Missing" oder "Downtown". Hier kommen gewiss auch Anhänger der todtraurigen "Tindersticks" auf ihre Kosten.
Theinert - der fast alle Titel selbst komponiert und getextet hat - singt dabei so melancholisch und gleichmütig, wie man den modernen Folkrock eben singen muss. Einzig die Stimme von Helene Malik im Chorus lockert die Atmosphäre hin und wieder auf.
Keinen Spielraum für Wohlgefühl erlaubt dagegen "No Place Left To Go". Hier scheint sich Theinert besonders wohl zu fühlen: Den Gesang durch den Verzerrer gejagt, vermittelt er Hoffnungs- und Auswegslosigkeit. Seine Texte geben oft Rätsel auf, regen zum Nachdenken an. Sie greifen auf klassische Country-Themen zurück und erzählen diese doch neu.
Kurzum: "The Other Side Of Sleep" bedient all jene, die sich für progressiven Folk begeistern [...]
Stuttgarter Zeitung
11.06.2003
...präsentieren sie ihre zweite CD "The Other Side Of Sleep", die von Chris Cacavas produziert wurde. Das Album geriet mit Pedal-Steel-Guitar, Hammond-Orgel, E-Piano und jeder Menge kristallklaren Telecaster-Klängen recht abwechslungsreich.
BNN - der Sonntag
25.05.2003
Wenn Lou Reed gemeinsam mit Calexico Songs von Tom Petty spielen würde, dann klänge das vielleicht so gut wie das, was die Ludwigsburger Band mit dem Geburtsort von Bob Dylan im Namen hier vorlegt: staubtrockener Songwriter-Rock, der vor sich hinschaukelt, als sei Kalifornien grad um die Ecke. Kein Wunder: Produziert wurde dieses CD-Nugget von der dorther stammenden Koryphäe Chris Cacavas. Entsprechend konzentriert und doch vielseitig flirrend klingen die zwölf Songs Marke Eigenbau, durch die sich Frontmann Severin Theinert raunt, ab und an unterstützt von der Karlsruherin Helene Malik. Mit dem melancholischen Opener "The Mortar" möchte man gern in den Sonnenuntergang reiten, "Jane Is Missing" kriecht fies das Rückgrat runter, und für die Uptempo-Nummer "Down Deep" müssten sich auch die Stones nicht schämen.