Coffee In Duluth begeistern im Merlin
Manisch intensiv
von Michael Riediger / Stuttgarter Nachrichten, 18. August 2004
Kaffee in Duluth, dem Geburtsort Bob Dylans, Lunch mit Lyle Lovett, und das Abendbrot in einem Folkclub
im Village oder einem "juke joint" in der Wüste Nevadas - so sähe der perfekte Tag aus für
Severin Theinert, dem Sänger und Motor der Ludwigsburger Americana-Asse "Coffee In Duluth".
Nach den genannten Orten und Namen klingt seine Musik, die Chris Cacavas für gut genug befand, das neue, zweite
Album "The Other Side Of Sleep" zu produzieren. Auch im bestens besuchten Merlin spielt das Quartett
Roots-Rock mit zwei Gitarren und einem manisch intensiven Sänger, der seine Referenzen nicht irgendwo sucht,
sondern sich klar auf ein musikalisches "go west, young man" festlegt. Und der gerade in Ludwigsburg,
der alten US-Bastion, für seine Roots-Recherche am besten fündig geworden sein mag.
Wobei Theinert die Wirkung seiner Band weniger einem bestimmten Stil als vielmehr der prägnanten, stilbewußten
Spielweise seiner Band (Lead-Gitarrist Stefan Roller ist ein Klangkünstler ersten Ranges, Rainer Lolk ein echter
Bass-Buddah), und vor allem seiner eigenen Person verdankt. Der Mann ist ein Americana-Irrer im guten Sinn:
Die Songansagen spickt er mit englischen Brocken, jeder zweite Satz zeugt von tiefer Verehrung für den
Folkrock-Dichter aus Duluth, von dem er "Blind Willie McTell" ins Programm nahm.
Und dann diese Bühnenbewegungen: Die Akustikgitarre klebt ihm klamm am Körper, als wolle sie Woody Guthries
Behauptung bestätigen, sie sei eine Waffe [...].
Dazu windet sich Theinert mal verzückt, mal verzerrt vor dem Mikroständer, erinnert dann optisch ein
wenig an Ian Dury, den britischen Punk-Freak. Was als einzige Americana-Abkehr, somit als einziger Stilbruch
des Abends gelten darf [...].
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Coffee In Duluth zeigen im Jubez: Zeitgemäßer Countryrock ist möglich
Wie man tote Männer aufs Pferd hebt
von Andreas Jüttner / BNN, 03. Juni 2003
Als es noch Cowboys gab, hieß es über amerikanischen Kaffee (der heute nur noch eine
schwachbrüstige Brühe ist), er hebe tote Männer aufs Pferd. Vielleicht ist Duluth nicht
nur der Geburtsort von Bob Dylan, sondern auch letztes Dorado der Koffeinfans, die ihren Kaffee
gern so kraftvoll und aufputschend wollen, wie die Musik der Ludwigsburger Band "Coffee In Duluth",
die jetzt im Jubez die Kunst des Songwritings hochleben ließ.
Wobei Dylan spätestens mit der jetzt vorliegenden zweiten Platte "The Other Side Of Sleep"
eigentlich nicht mehr die korrekte Referenzgröße ist. Das Quartett des charismatischen und
ausdrucksstarken Sängers und Gitarristen Severin Theinert pendelt eher zwischen unaufhaltsam
vorwärtsschaukelnden Vollwertsongs, wie sie Springsteen in besseren Momenten pflegt, und
authentischen wüstenstaubtrockenem Folkrock wie aus dem American Songbook. Zu "Twisted Winds"
etwa spendiert Plattenproduzent Chris Cacavas, der das Konzert am Keyboard veredelt, eine Breitwand-Schweineorgel,
wie sie sich der "Boss" selbst nicht schöner wünschen könnte. Und im Traditional
"Trail Of The Buffalo" glaubt man auf dem Höhepunkt der Steigerung, eine Büffelherde
über einen Grat donnern zu hören. Lauter jedenfalls können auch die nicht sein.
Die schwäbischen Kaffeetrinker sind aber nicht ständig am Koffeinanschlag, sondern haben
alle Dynamikstufem drauf. Während Countykracher wie "Starcrossed" drauflospreschen, daß
die Ghostriders in the sky ihren Gäulen dir Sporen geben, wird mit "Hunting Grounds"
Minimalfolk geboten: Akkordeon, Mandoline, Westerngitarre - sozusagen biologisch kontrollierter
Eigenanbau, gedüngt mit Gastgesang der bezaubernden Jonny-Las-Vegas-Stimme Helene Malik und
Pete J. Funk. Bassist Rainer Lolk wiegt sich zu pointierten Grundtönen, Drummer Marc Bohlender
steckt seine Energie statt in Sperenzchen in solide rollende Shuffle-Rhythmen, und Stefan Roller
schüttelt eine wuchtig brummende Melodie nach der anderen aus seiner Sologitarre. Zwei
Stunden lang flaut der Spannungsbogen nicht ab, [...]
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Die Bands Coffee In Duluth und No Sugar, No Cream spielten im Leopoldshafener Pirat
Handgemachte Musik mit viel Witz und Präsenz
von Roland Reger / BNN, 02. Mai 2001
Dass so etwas klappt, ist keineswegs ausgemachte Sache: Von Familien mit Kindern über wahrhaftige
Motorradrocker bis hin zum Seniorenpaar reichte die Bandbreite der Gestalten rund um den Leopoldshafener
"Pirat". Und auf der Bühne zelebrierten sie so etwas wie den Soundtrack zu einem amerikanischen
Roadmovie. Keine Frage: Das Experiment hat funktioniert. Wohl auch deshalb, weil die Musiker mit
viel Gefühl die Dosis langsam steigerten. Am Ende hatten sie selbst jene im Publikum auf ihrer
Seite, die eingangs lauthals deutsche Texte gefordert hatten.
Denn das können sich weder die Mannen der Karlsruher Formation "No Sugar, No Cream",
noch die Ludwigsburger Musiker von "Coffee In Duluth" vorstellen:
Musikalisch die alten Zeiten beschwören als Bob Dylan jung war - und gleichzeitig in einer anderen
als seiner Sprache singen. Nachdem die Combo "No Sugar, No Cream" eine gute Stunde lang
den Boden bereitet hatte, schritten sie zur Tat: Frontmann Severin Theinert, der nicht zum ersten
Mal im "Pirat" zu Gast war, Stefan Roller (Gitarre, Mandoline, Banjo, Steel Guitar), Miguel Sola
(Schlagzeug) und Rainer Lolk (Bass).
Schon das erste Stück "After All These Years" hatte programmatischen Charakter:
Nuancenreichen Folkrock brachten die Schwaben an den Altrhein, dichte, raffinierte Arrangements und
eine Renaissance jener amerikanischen Zeit, da an Begriffe wie "shareholder value" und
"Internet" nicht einmal visionäre Geister dachten. Man mag die handgemachte Musik der
Ludwigsburger Band als simpel bezeichnen; schließlich ist sie das im besten Sinne. Wo bei anderen
Formationen ein Laptop mit unmenschlicher Präzision die Loops steuert, wippt bei "Coffee In Duluth"
der Fuß von Bassmann Rainer Lolk. Wo bei anderen synthetischer Klangbombast dominiert, treten hier
atmosphärische Nuancen hervor, produziert von echten Musikliebhabern im Schweiße ihres Angesichts.
Die Texte passen zum grundehrlichen, aber auch spannungsreichen und zu Zeiten gar üppig groovenden
Sound. Die Titel heißen "Some Stories", "Downtown" oder "Fallen Angel":
Um die Geschichten tatkräftiger Menschen geht es, um Enttäuschungen und Überraschungen beim
amerikanischen Streben nach Glück.
Nicht zufällig heißt die Formation "Coffee In Duluth":
Aus jener Kleinstadt in Minnesota stammt der legendäre Rockpoet Bob Dylan, dem sich Frontmann
Severin Theinert verpflichtet fühlt. Und drum hätten sie die Open-Air-Bühne auch nicht
verlassen, ohne ein Stück des Meisters zum Besten gegeben zu haben. "Blind Willie McTell"
war es in Leopoldshafen - keineswegs aber möglichst authentisch gecovert, sondern mit Witz und
Verve interpretiert. Gleichsam neu ausformuliert, gefielen die charakteristischen Melodiebögen,
präsent und trotzdem stilsicher dabei nicht nur Frontmann Severin Theinert.
Eingestimmt hatten die "Piraten"-Gemeinde zuvor die Musiker von "No Sugar, No Cream".
Obschon dieses Bandprojekt vergelichsweise jung im Geschäft ist, haben sich die Mannen schon
ausgezeichnet aufeinander eingestellt. Scharfe und metallische Riffs, die klangliche Kulisse des
mittleren Westens, dazu die rauchgeschwängerte Stimme von Peter J. Funk, so punktete die Band
auch bei ihrem zweiten Auftritt in Leopoldshafen. (...)
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Coffee In Duluth aus Stuttgart spielen im Öhringer Jugendhaus
Anregende Kaffeetafelromantik
von Michael Dignal / Heilbronner Stimme, 27. Mai 1997
Als wollten sie ihre Musik unübersehbar versinnbildlichen, hatten
Coffee In Duluth zu ihrem Auftritt im Öhringer Jugendhaus Weihnachtsbaumlichtchen,
Schokotörtchen und vor allem Kaffee mitgebracht, den sie dann auch
reichlich konsumierten. Dabei reichte der akustische Eindruck völlig
aus, um zu erkennen: Da ist nichts Angestrengtes oder Aufdringliches, sondern
nur Besinnlichkeit, Entspanntheit, ja Gemütlichkeit.
Fast nur, muss man ergänzen. Denn der Gefahr, die bei derart warmherzigem
Mildklang in Gestalt süsslicher Gefälligkeit direkt um die Ecke
wohnt, entging das Stuttgarter Sextett. Indem es seine Songs mit einer
durchaus spürbaren, leise prickelnden Intensität ausstattete,
sorgte es für eine anregende Stimmung, die sich sogleich aufs Publikum
übertrug. Kein koffeinfreier Kaffee also.
Nostalgisches steckte in dieser Mischung: melancholischer Folkrock
aus den späten Sechzigern und frühen Siebzigern etwa, dazu Country-Touch
und keltisch gefärbte Gesänge. Gewissermassen ein Fundament aus
Byrds, Eagles und Amazing Blondel, aufgefrischt mit modernen Elementen
bis hin zu Midnight Oil und R.E.M.
Ständig im Mittelpunkt dabei Sänger und Gitarrist Severin
Theinert, stimmlich unterstützt von Carola Nief und Anja Richter,
die zudem den Geigenbogen schwang.
Glanz auf das insgesamt eher unauffällige Musikgefüge setzte
Lead-Gitarrist Stefan Roller mit zumeist sparsamen, doch ungemein prägnanten
Licks. Stilsicher pepte er dahinplätschernde Harmonien mit kurvigen
Surfsounds auf, betonte mit scharfen Telecaster-Tönen melodisch Wesentliches
und hob auf Mandoline und Banjo atmosphärische Nuancen hervor. Wenn
er locker auf dem Schemel sass, die Steelguitar auf den Schenkeln, und
gleitende Klangillustrationen produzierte, konnte man meinen, Coffee In
Duluth seien soeben aus Nashville angereist.
Auffallend lang und kraftvoll geriet die musikalische Ehrung Bob Dylan's
(der an diesem Tag vor 56 Jahren in Duluth, Minnesota, geboren wurde),
und Stefan Roller war es, der Dylan's "Man In The Long Black Coat" in ein
faszinierendes Stück Gitarrenmagie verwandelte.
Hier wirkte die Musik wie der Soundtrack zu einem jener typischen US-Roadmovies,
wo der übernächtigte, gedankenverlorene Held auf dem endlos scheinenden
Freeway in den Sonnenuntergang hineinfährt.
Ebenso endlos schien die Kaffee-und-Kerzenlicht-Romantik im Jugendhaus
zu sein, und sie hielt Publikum und Band auch nach der anderthalbstündigen
Zugabe noch umfangen.
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