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Stuttgarter Zeitung | ![]() |
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Lieber ein gutes BuchSeverin Theinert singt nicht oft aber heute Abend im Lab von Michael Werner / Stuttgarter Zeitung, 23. April 2004 |
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Er tritt gerne die Zigarette aus vor dem Auftritt, so wie man es
aus dem Kino kennt. Aber das Klischee ist für ihn nur ein ironischer
Flirt. "Vielleicht sind wir für all das längst zu alt", sagt der
36-jährige Sänger während eines Konzerts seiner Band Coffee in Duluth.
Und dass ihn sein Vater angerufen habe, neulich, dass der sich Sorgen
mache wegen "No Place Left To Go", einem Lied von der neuen CD "The
other Side of Sleep". Es heißt in diesem Lied: "Du gewöhnst dich besser
daran, dass kein Ort übrig ist, den du ansteuern könntest." Bestes Englisch singt da der Songwriter Severin Theinert, der in Stuttgart geboren wurde und in Ludwigsburg lebt. Die Sprache, sagt er, habe er in Asien gelernt. Zwei Jahre Pakistan mit den Eltern, als Kind. "The other Side of Sleep" ist ein schönes, tiefgründiges Album geworden, auf dem sich filigraner Folkrock mit der Lust am Geschichtenerzählen mischt und mit der Melancholie des Mannes, der alle Lieder von Coffee in Duluth schreibt. Mit 14 hat Severin Theinert angefangen zu trinken; mit 21 war er fertig damit. Seitdem arbeitet er als Krankenpfleger in der Psychiatrie. Dann die Scheidung, Unterhalt für zwei Kinder, jetzt ist das dritte da. Theinert schreibt Lieder, die sanft sind und schonungslos zugleich: "Es ist nichts besonderes dabei, dass zwei Menschen zusammensitzen, außer der Illusion, nicht alleine zu sein", heißt es in einem Lied von ihm, dass "The Mortar" heißt. Musik zu hören und Musik zu machen, sagt Theinert, hätte ihn letztlich befreit vom Alkohol. Mit dem Machen ist das so eine Sache. "´ne deutsche Band, die solche Musik macht - ihr seid älter als dreißig, wo sollen wir euch einordnen?" Theinert kennt die Entschuldigungen der Plattenfirmen mittlerweile auswendig und jagt dem Erfolg und den Menschen, die ihn herbeizaubern könnten, nicht mehr hinterher. "Ich hänge nicht drei Tage die Woche in Kneipen rum, da lese ich lieber ein gutes Buch im Bett." Und auch fünfstündiges tägliches Telefonieren für ein paar Auftritte spart sich der Liederschreiber inzwischen. "Da fahre ich lieber zwei Tage zu meinem Sohn nach Nürtingen und weiß, dass ich am Montag wieder arbeiten muss." Zumal Auftritte eines Musikers, der sein Geld mit anderer Arbeit verdient, ohnehin nicht bloß das Reine Vergnügen sind für ihn: Von morgens um sechs bis nachmittags um drei in der Psychiatrie, um vier die Anlage in den Bus geladen, um sechs in Bruchsal und um zwei in der früh vom Gig daheim. Das schmälert die Auftrittsaktivität, nicht aber die Leidenschaft für die Musik im Eigenvertrieb. "Sobald die letzte CD abbezahlt ist, wird eine neue gemacht", schwelgt Severin Theinert, der in seinenen assoziativ durchs Dasein schweifenden Liedern manchmal davon erzählt, wie Menschen stranden. Rainer Lolk, Theinerts bester Freund und der Bassist seiner Band, betreibt ja im Keller ein Tonstudio, das sie "The White Lodge" nennen, und als musikalischer Regisseur findet sich manchmal ein Freund. Chris Cacavas hat "The other Side of Sleep" produziert, das Album, das sich so sprachgewaltig aus einem erdachten Überallamerika heraussehnt, als habe Theinert schon immer dort gelebt. "Mit 21 wollte ich Rockstar werden", sagt er, und die Art, wie er vor dem Auftritt die Zigarette ausdrückt, zeugt davon, dass der Traum noch nicht sehr lange ausgeträumt ist, bei aller Ironie. Theinert ist kein Star geworden aber ein Mensch, der mit einer selten gewordenen Ernsthaftigkeit daran arbeitet, seine Einfälle in die bemerkenswert liebevoll gesponnenen Stoffe zu kleiden, die sie seiner Ansicht nach verdienen. "Eine bessere CD als ´The other Side of Sleep´ können wir zur Zeit nicht machen", sagt er, und es klingt weder arrogant noch resigniert. Es klingt eher so, als meine Theinert, was er sagt, und für die Fragen, die offen bleiben, erfindet einer wie er schnell ein Lied. "So we wonder what went wrong or did we just miss the point of choice" heißt es in einem seiner Songs. Severin Theinert hat nicht das Gefühl, dass er das Haus aus Liedern, das er sich gebaut hat, einreißen müsste, bloß um seine Zigaretten unironisch austreten zu können. "Ohne Plattenfirma und ohne viele Konzerte zu leben, das kenne ich", sagt er, "und mittlerweile ist mir diese Musik zu viel wert, als dass ich sie des Erfolges wegen ändern würde." Theinerts Musik, und dass es sie gibt, ist ein Erfolg für sich. [ANMERKUNG]Severin Theinerts Band Coffee in Duluth spielt heute um 20.30 Uhr mit Chris Cacavas im Laboratorium.[/ANMERKUNG] |
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